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TextGrid Roadmap zur Version 1.0

Dieses Dokument stellt die Roadmap zur Veröffentlichung einer stabilen, produktionsreifen Version 1.0 vor. Es gibt eine Einführung in die Features von TextGrid, begründet die Prioritätensetzung und stellt Anwendungsfälle vor.

Inhaltsverzeichnis:

  1. TextGrid Version 1.0
  2. TextGrid als Virtuelle Forschungsumgebung
  3. TextGrid Laboratory
  4. TextGrid Repository
  5. Anwendungsfälle
  6. Support, Tutorien und Schulungen
  7. Ausblick, Perspektiven
  8. Zeitplan



1. TextGrid Version 1.0

Im Juni 2011 wird das TextGrid-Konsortium nach fünfjähriger Entwicklungszeit die Version TextGrid 1.0 veröffentlichen. In diese Version sind konzeptionelle Überlegungen und Entwicklungsarbeit aus vielen Bereichen eingeflossen:

  • fachwissenschaftliche Anwendungsszenarien skizzieren Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit,
  • umfangreiche Bedarfserhebungen aus der Nutzercommunity und deren Feedback ergänzen und erweitern die Konzepte und wirken als begleitendes Korrektiv,
  • intensive Betatests ermöglichen Bugfixes und gezielte Weiterentwicklungen,
  • organisatorische und forschungspolitische Überlegungen und Weichenstellungen sorgen für Nachhaltigkeit,
  • aktuelle Entwicklungen im Bereich der Grid-Technologie werden aufgegriffen und umgesetzt.

Version 1.0 – dies stellt für das Projekt TextGrid einen wichtigen Meilenstein dar, denn damit verlässt es den Beta-Status und geht in den stabilen Produktivbetrieb. Nutzer, die TextGrid im Rahmen ihrer Forschungsprojekte einsetzen wollen, erhalten damit eine ausgiebig getestete und ausgereifte Version, die die definierten Aufgaben zuverlässig bewältigt. Die Entwicklungsarbeit im Rahmen des Projekts wird darüber hinaus fortgesetzt. Wie bislang werden im Dialog mit den Nutzern vorhandene Funktionalitäten und Dienste optimiert und neue entwickelt und integriert. Als offene Plattform bietet TextGrid weiterhin die Möglichkeit, eigene Services einzubringen, die Funktionalitäten damit projektspezifisch anzupassen und zu erweitern und sich somit an der Entwicklung zu beteiligen. Nach Projektende im Mai 2012 wird TextGrid in den Community-getragenen Betrieb im Rahmen einer eigenen Rechtsform überführt und kann auf diese Weise weiter gepflegt, entwickelt und ausgebaut werden.

Im Folgenden werden der zu erwartende Leistungsumfang der Version 1.0, konkrete Einsatzbereiche und Anwendungsfälle sowie weitere Perspektiven vorgestellt.

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2. TextGrid als Virtuelle Forschungsumgebung

TextGrid wird getragen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Infrastruktureinrichtungen, Universitäten und Forschungseinrichtungen, die fachwissenschaftliche Expertise und IT-Kenntnisse gleichermaßen und gleichberechtigt einbringen. TextGrid strebt – in enger Abstimmung mit weiteren Wissenschaftscommunities – für sich eine eigene Rechtsform an, die zum einen bezogen auf Zugang zu Infrastruktur und zu Virtuellen Forschungsumgebungen die Interessen der Geistes- und Kulturwissenschaften im Konzert der Wissenschaften vertritt und die zum anderen aus forschungspolitischer Sicht die nachhaltige Organisationsstruktur gewährleistet.

TextGrid richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer, die Werkzeuge und Dienste für die Verzeichnung, Beschreibung, Annotation, Erschließung, Auswertung und Publikation von kulturellen Artefakten, insbesondere von Texten, Bildern, Handschriften, Musik und weiteren Objekten benötigen und die Wert auf die Langzeitarchivierung und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten legen.

TextGrid errichtet eine Virtuelle Forschungsumgebung für die Geistes- und Kulturwissenschaften auf Basis von Grid-Technologien – ein Ansatz, der in Deutschland und international in diesen Disziplinen Neuland darstellt und der die TextGrid-Initiative damit auch deutlich von anderen verfügbaren oder in der Entwicklung befindlichen Werkzeugen und Forschungsumgebungen abhebt. Hervorzuheben ist der damit verbundene Gewinn in Bezug auf Offenheit und Nachhaltigkeit, sowohl was die technologischen Aspekte als auch was die organisatorischen und forschungspolitischen Gesichtspunkte betrifft.

Der Ansatz von TextGrid ist also ein ganzheitlicher: Der gesamte Forschungsprozess wird virtuell abgebildet, denn TextGrid umfasst die Bereiche Arbeitsorganisation, Kommunikation, Werkzeuge, Zugang zu Daten und Inhalten, Standards, Interessenvertretung und Forschungspolitik.

Der Zugang zur Virtuellen Forschungsumgebung erfolgt für den Nutzer über zwei Hauptkomponenten:

TextGrid Laboratory

  • Einstiegspunkt in die Virtuelle Forschungsumgebung
  • portable Software, Open Source, auführliche Dokumentation für Anwender und Entwickler
  • Schulungs- und Fortbildungsangebote, Demos und Tutorials
  • macht vorhandene sowie neue Werkzeuge und Services in einer intuitiv bedienbaren Software verfügbar
  • wird kontinuierlich weiterentwickelt
  • ist so konzipiert, dass eigene Werkzeuge und Services über offene Schnittstellen (SOAP/REST) eingebunden werden

TextGrid Repository

  • fachwissenschaftliches Langzeitarchiv, das in eine Grid-Infrastruktur eingebettet ist
  • garantiert langfristige Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit der Forschungsdaten
  • Kooperation mit WissGrid, Konzepte für die Lanfristarchivierung von Forschungsdaten gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Grid-Communities
  • wird kontinuierlich weiterentwickelt

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3. TextGrid Laboratory

Das TextGridLab ist die Software, die vom Rechner des Nutzers den Zugriff auf die Virtuelle Forschungsumgebung TextGrid ermöglicht. Da das Programm als ausführbare Datei ausgeliefert wird, ist keine eigentliche Installation (mit Zugriff auf Registrierung und Benutzerprofil) nötig, das Lab kann auch auf einem Wechseldatenträger (bspw. USB-Stick) gespeichert und auf einem beliebigen Rechner ausgeführt werden. Die einzige technische Voraussetzung für den Einsatz der portablen Software auf den Computern ist die Installation von Java Version 6 und ein bestehender Zugang zum Internet.

Das TextGridLab erfüllt zwei Aufgaben: Zum einen organisiert es den Zugriff auf die administrative Infrastruktur, die nötig ist, um im Grid kooperativ und über verteilte Standorte arbeiten zu können. Zum anderen beinhaltet es eine Grundausstattung an Werkzeugen, mit denen Textwissenschaftler im digitalen Medium arbeiten können.

Administrative Infrastruktur

Wichtige Voraussetzung für das kollaborative Arbeiten in einer Virtuellen Forschungsumgebung ist eine effiziente Rechteverwaltung, die regelt, wer auf Projekte und Dateien zugreifen darf, ab wann ein Dokument für alle Nutzer sichtbar ist oder welcher Mitarbeiter in welchem Zeitraum an einem bestimmten Dokument gearbeitet hat. Die Nutzer- und Projektverwaltung im Lab sieht dafür die Vergabe von projektspezifischen Rollen (z.B. Leiter, Editor, Beobachter) vor, über die die Zugriffsrechte vergeben werden. Eine Versionierungsfunktion ermöglicht das „Einfrieren“ eines Dokuments zu einem beliebigen Zeitpunkt und dokumentiert somit fortlaufend den Projektfortschritt. Die Möglichkeit des Rückgriffs auf ältere Stadien eines Dokuments ist ebenfalls gesichert.

Ein möglicher Startpunkt für Nutzer im Lab ist der Projektbrowser beziehungsweise Navigator, der einen Überblick über das Forschungsnetzwerk, den Zugang zu Projektmaterialien und ihre übersichtliche Verwaltung ermöglicht.

Dem projektinternen sowie -übergreifenden Datenzugriff dient auch die TextGrid-interne Suche. Über eine Suchmaske ist neben der Volltextsuche auch die Recherche über Metadaten und in Strukturdaten kodierter Texte möglich. TextGrid setzt dabei auf die Standards der Text Encoding Initiative (TEI): XML-kodierte Texte können über einen Adapter in eine auf TEI basierende Baselinekodierung überführt werden. Dies ermöglicht dann eine projektübergreifende gezielte Suche in semantisch ausgezeichneten Textsegmenten (bspw. Lemmata von Wörterbüchern, Briefadressaten oder Regieanweisungen in Dramentexten).

Eine weitere Zugangsmöglichkeit zu den Datenbeständen des TextGrid-Repositorys stellt ein browserbasiertes Portal dar (siehe Abschnitt zum TextGridRep).

Um auch große Mengen an Projektmaterialien unterschiedlichster Art (Textdokumente, Bilder, Programme etc.) handhaben zu können, bietet das TextGridLab eine leistungsfähige Komponente zur Verwaltung von Metadaten, die neben dem Kernset an durch TextGrid vorgegebenen Beschreibungsdaten das Anlegen eines beliebig konfigurier- und erweiterbaren projektspezifischen Metadatenprofils ermöglicht.

Werden Dokumente in gängigen Betriebssystemen in Verzeichnissen organisiert, erfolgt dieser Ordnungsvorgang im TextGridLab in sogenannten Aggregationen. Dabei handelt es sich um virtuelle Verzeichnisse, die in Ihrer Funktionsweise an die Gegebenheiten in einer kooperativ genutzten Virtuellen Forschungsumgebung angepasst sind.

Werkzeuge im Lab

Da TextGrid auf das nichtproprietäre und medienneutrale Datenformat XML für die wissenschaftliche Textverarbeitung setzt, ist der XML-Editor das Herzstück des TextGridLab. Er ermöglicht das interaktive Bearbeiten und Validieren von XML-Dokumenten. Die Auswahl der weiteren Werkzeuge wurde so getroffen, dass grundlegende Arbeitsabläufe aus den zentralen textwissenschaftlichen Disziplinen Editionswissenschaft und Linguistik in der Virtuellen Forschungsumgebung durchgeführt werden können.

So ermöglich der Text-Bild-Link-Editor die Verknüpfung von Textabschnitten einer Transkription mit Bildausschnitten, bspw. einer digitalisierten Handschrift, um digitale Editionen vorzubereiten, in denen Transkription und Handschrift synoptisch dargestellt und abschnittweise aligniert sind.

Das Wörterbuch-Recherche-Werkzeug ermöglicht als Erschließungshilfe Metaabfragen über die im Trierer Wörterbuchnetz vereinten Nachschlagewerke, darunter das Grimm’sche Wörterbuch, die mittelhochdeutschen Wörterbücher, das Goethe-Wörterbuch und zahlreiche Dialektwörterbücher. Die Einbindung des Wörterbuchverbundes, die technisch über einen Webservice realisiert wurde, ist ein gutes Beispiel, wie bereits existierende Webangebote oder Softwarelösungen in das Lab integriert werden können.

Auf die automatisierte Analyse und Bearbeitung größerer Textmengen ist der Workflow-Editor ausgelegt. Er bringt eine Reihe von Standard-Workflows mit, darunter eine Lemmatisierungsfunktion sowie verschiedene Sortieroptionen, die für zahlreiche linguistische Arbeitsabläufe gute Unterstützung bieten. Für komplexere und spezifischere Aufgabenstellungen können Projekte eigene Workflows definieren. Externe Programme können ebenfalls über den Workflow-Manager (über eine Web-Service-Schnittstelle) angesteuert werden, wie dies aktuell schon mit der Textverarbeitungssoftware TUSTEP erfolgt.

Da XML als Standarddatenformat im Lab verwendet wird, darf auch eine Komponente nicht fehlen, die Transformationen von XML-Dateien mit der gängigen Programmiersprache XSLT ermöglicht.

Abgerundet wird das Paket des „virtuellen Werkzeugkastens“ durch eine Publikationskomponente: Der Webpublisher bereitet in XML vorliegende Texte für die Darstellung in Webbrowsern auf und stellt sie auf einem TextGrid-Server für den allgemeinen Zugriff über das Internet bereit. So können schon während des Forschungsprozesses fortlaufend Ergebnisse einer breiten Community zugänglich gemacht werden.

Nach Erreichen der Version 1.0 werden die Werkzeuge des TextGridLab fortlaufend weiterentwickelt, stufenweise werden weitere Komponenten in das Lab integriert. Dabei wird einerseits das Angebot für die Kerndisziplinen Editionswissenschaft und Linguistik ausgebaut, andererseits werden für die Fächer Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Klassische Philologie (Glossenedition) neue Spezialwerkzeuge entwickelt.

Die Werkzeuge des TextGridLab in seiner Grundversion bieten für viele Standardaufgaben bereits ausreichenden Funktionsumfang, sie sind ideal geeignet, um einen Einstieg in die digitale Textverarbeitung und -analyse zu finden.

In vielen Projekten wird aber dieses Grundangebot um spezifischere Werkzeuge erweitert werden müssen: Explizit wurde im Projekt TextGrid daher auf Open Source Software gesetzt, der Quellcode zum Lab steht nebst technischer Dokumentation frei zum Download zur Verfügung. Projektspezifische Anpassung kann dabei sowohl die Weiterentwicklung einzelner Werkzeuge oder Komponenten der Infrastruktur sein als auch die Einbindung ganz neuer Programme oder die Vernetzung mit externen Angeboten. Als Community-Projekt setzt TextGrid dabei auf die Entwicklung einer Eigendynamik, die darin bestehen wird, dass alle projektspezifischen Erweiterungen wieder dem gesamten Nutzerkreis zur Verfügung (und wiederum Weiterentwicklung) gestellt werden.

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4. TextGrid Repository

Die zweite Hauptkomponente der Virtuellen Forschungsumgebung, das TextGridRep, ermöglicht die Speicherung und somit die langfristige Aufbewahrung und Nachnutzung geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten.

Beim Einspielen in das TextGridRep werden die Objekte automatisch mit Metadaten versehen und semantisch indiziert. Die im Grid liegenden Daten lassen sich vom TextGridLab aus bearbeiten, verwalten, Projekten zuordnen und mit weiteren inhaltlichen Metadaten versehen. Die Nutzer entscheiden selbst, wie und mit wem sie ihre Daten teilen, indem sie die detaillierte Rechteverwaltung (s.o.) nutzen. Außerdem können sie ihre Ergebnisse und Forschungsdaten im Repository veröffentlichen.

Mit Version 1.0 werden Archive und andere Institutionen in die Lage versetzt, größere Datenmengen über eine spezielle Schnittstelle in das Repository zu importieren und hierbei zugleich die Metadaten automatisch validieren lassen.

Veröffentlichte Daten sind über ein browserbasiertes Portal zugänglich, das eine schnelle Suche über publizierte Forschungsdaten ermöglicht. Neben detaillierten Recherchemöglichkeiten werden verschiedene Visualisierungsmöglichkeiten bereitstehen. Daneben ist eine offene Schnittstelle für externe / individuelle Portal-Lösungen geplant.

Um die langfristige Verfügbarkeit von Forschungsdaten zu ermöglichen, bietet TextGrid Datensicherung mit redundantem Speicher und regelmäßigen Backups für zehn Jahre an (wie in den Richtlinien der DFG empfohlen). Längerfristige Speicherung und höhere Sicherheitsstufen, wie redundanter Speicher an verteilten Standorten oder Sicherung auf Band, werden in Zukunft – verbunden mit höheren Kosten – ebenfalls angeboten. Die nachhaltige Adressierbarkeit publizierter und langzeitarchivierter Daten wird über Persistent Identifier erreicht, deren langfristige Verfügbarkeit vom European Persistent Identifier Consortium (EPIC) sichergestellt wird.

Höherwertige Langzeitarchivierungsdienste, die im Forschungsverbund WissGrid  entwickelt werden, können voraussichtlich ab 2012 angeboten werden. Die im Rahmen dieses Projekts entwickelten Dienste (z.B. Format-Validierung und Metadaten-Extraktion) und Empfehlungen zur Langzeitarchivierung von Forschungsdaten werden an die speziellen Bedürfnisse der Geistes- und Kulturwissenschaften angepasst und in die Virtuelle Forschungsumgebung TextGrid integriert. Eine diesbezügliche Anpassung bzw. Erweiterung der derzeitigen Repository-Infrastruktur ist für die Zeit nach dem Release der Version 1.0, ab Sommer 2011 geplant.

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5. Anwendungsfälle

Das Projekt TextGrid hat schon in seiner Konzeption großen Wert auf den Austausch mit den Fach-Communities gelegt. So ist in einem entsprechenden Arbeitspaket nicht nur durch Schulungen, Workshops und die Bereitstellung von Onlinetutorien für fortlaufende Infor­mation über den aktuellen Arbeitsstand und ein schrittweises Heranführen an den Umgang mit dem neuen Medium gesorgt. Diese Plattformen werden auch genutzt, um beständig Kritik, Verbesserungswünsche und Anregungen aus den Communities heraus in das Projekt zurück­zuführen und entsprechende Korrekturen und Anpassungen bei der Entwicklung der Software vorzunehmen.

Als Früchte dieser Strategie wurde TextGrid bereits von einigen wissenschaftlichen Vorhaben bei der inhaltlichen Konzeption und formalen Antragstellung berücksichtigt. Mit Erscheinen der Version 1.0 können diese Projekte nun konkret mit der Arbeit in der Virtuellen Forschungsumgebung beginnen. Das Projekt „Blumenbach-Online“, ein Vorhaben der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und dem Institut für Wissenschaftsgeschichte der Universität Göttingen, wird auf Basis von TextGrid eine Neuausgabe der Werke des Natur­forschers erstellen. Dabei soll auch Blumenbachs Sammlung naturhistorischer Objekte rekon­struiert und in einem Onlineportal mit den Schriften und Briefen verknüpft werden – eine Aufgabe, die nur mit einer hochspezifischen und umfangreichen Beschreibung mit Metadaten realisiert werden kann.

Ebenfalls an der Universität Göttingen ist das Projekt Archaeo 18 angesiedelt, das zum Ziel hat, anhand der Vorlesungen Christian Gottlob Heynes die Anfänge der Archäologie als wissenschaftliche Disziplin zu rekonstruieren. Bei der Edition der zahlreichen studentischen Mitschriften und der Rekonstruktion des Gesamtzusammenhangs aus diesen wird sich die Objektverwaltung in TextGrid bewähren, das digitale Medium birgt zudem Potential für die Darstellung und Auswertung von Bezügen der Texte untereinander in Form von Hypertexten.

In enger Zusammenarbeit mit dem Projekt Historisch-kritische Edition von Goethes Faust, das vom Freien Deutschen Hochstift Frankfurt, der Klassik Stiftung Weimar und der Uni­versität Würzburg durchgeführt wird, wurde das Anforderungsprofil für den Text-Bild-Link-Editor definiert. Mit der Version 1.0 sind nun alle Vorgaben umgesetzt, so dass auch dieses Projekt mit der produktiven Arbeit im TextGridLab beginnen kann.

Die Version 1.0 steht ebenso wie die Weiterentwicklungen der Wissenschaftscommunity zur Verfügung.

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6. Support, Tutorien und Schulungen

Für TextGrid ist es besonders wichtig, dass sich die Nutzer im TextGridLab gut zurecht­finden. Einen ersten Überblick über die wichtigsten Werkzeuge des TextGridLab bietet ein Demo-Film, der auf der TextGrid-Website zur Verfügung steht. In Online-Tutorien wird die Funktionsweise der Tools detaillierter erklärt, diese Erläuterungen werden derzeit für die grundlegenden Funktionen im Text- und im Videoformat angeboten. Für die einzelnen Tools werden zum Release-Workshop im Juli 2011 weitere Tutorien sowie eine ausführlich gestaltete Hilfefunktion im TextGridLab entwickelt.

Um Fragen von Nutzerseite zügig beantworten zu können, wurde eine E-Mail-Adresse (support(at)textgrid.de) sowie ein Feedback-Formular eingerichtet, mit deren Hilfe sich Anwender mit ihren Problemen und Wünschen direkt an die Support-Mitarbeiter von TextGrid wenden können. Bei Bedarf kann nach vorheriger Absprache auch eine telefonische Beratung angeboten werden, in der ein didaktisch erfahrener Mitarbeiter den Nutzer im Dialog durch die gewünschten Tools im TextGridLab führt.

Darüber hinaus gibt es Schulungen im Rahmen von Tagungen und Konferenzen, deren Inhalte auf die individuellen Bedürfnisse des Teilnehmerkreises zugeschnitten werden. Solche inter­aktiven Workshops können auch vor Ort angeboten werden, wenn sich in einer Stadt mehrere Interessenten zusammenfinden, beispielsweise Kollegen einer Forschungseinrichtung. Hierfür müsste die betreffende Institution lediglich einen Raum für die Schulung zur Verfügung stellen, der wie z.B. ein Computer-Pool ausreichend Platz und Rechner für die Teilnehmer sowie einen Beamer bietet.

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7. Ausblick, Perspektiven

Mit dem Release der Version 1.0 liegt die Virtuelle Forschungsumgebung TextGrid in einer produktiv nutzbaren Fassung vor. Die weiteren Arbeiten im Projekt werden sich darauf konzentrieren, die etablierte Infrastruktur zu erweitern und zu verbessern sowie die Sammlung der im TextGridLab angebotenen Werkzeuge zu komplettieren.

Auch wenn diese Ziele mit dem Ende der zweiten Projektphase im Sommer 2012 erreicht sein werden, wird TextGrid dann nicht in einer endgültigen, abgeschlossenen Form vorliegen. Eine zentrale Aufgabe in der verbleibenden Projektlaufzeit wird daher sein, TextGrid aus der Projektform möglichst nahtlos in eine dauerhafte Organisationsform zu überführen. Aufgabe dieser Organisation wird es dann sein, die Verfügbarkeit der Daten und technischen Infrastruktur zu gewährleisten, die projektspezifischen Weiterentwicklungen des TextGridLab und seiner Werkzeuge zu organisieren und neue Nutzer an die Arbeit in der Virtuellen Forschungsumgebung heranzuführen. Grundlage der neuen Organisationsform wird ein Geschäftsmodell werden, das die Nutzung der TextGrid-Infrastruktur durch die verschiedenen Nutzergruppen regelt und den Fortbestand der nötigen administrativen und technischen personellen Kapazitäten ermöglicht.

TextGridLab

Die für Frühjahr 2012 angestrebte Version 2.0 wird um weitere fachspezifische Tools und Services erweitert werden. So wird derzeit für Musikwissenschaftler ein XML-Editor zur Eingabe und Darstellung von Noten in MEI entwickelt, und für die klassische Philologie wird ein Glossen-Editor zur Verfügung gestellt. Mit Digilib wird ein bereits bestehendes Werkzeug zur Bereitstellung und Annotation von Bilddaten für die Kunstgeschichte in die TextGrid-Umgebung integriert. Die Werkzeuge für die Sprachwissenschaften werden mit LEXUS und COSMAS um zwei umfangreiche Datenbanken ergänzt, außerdem wird ein Kollationierer zum Vergleich von zwei oder mehr XML-Dokumenten zur Verfügung stehen. Ein Wörterbuch-Link-Editor erweitert die Funktionalität des Wörterbuch-Services, indem er die Verlinkung von Lemmata in verschiedenen Wörterbüchern ermöglicht.

Eine erweiterte Version des OCR-Tools OCRopus für die automatische Schrifterkennung von Frakturschriften wird ebenfalls in die TextGrid 2.0 integriert. Darüber hinaus erhält das TextGridLab ein Bibliographie-Tool zur Einbindung bereits vorhandener Datenbestände sowie zur Bearbeitung und Verwaltung bibliographischer Daten. Ein Text-Text-Link-Editor dient als Eingabehilfe für Links in XML-Dateien und verbindet Elemente in TextGrid-Dokumenten über deren URI-Fragment. Des Weiteren beinhaltet die zweite TextGrid-Version ein im von der DFG geförderten XML-Print-Projekt entwickeltes Satzprogramm, um Texte mit komplexen Layoutanforderungen auf Basis von XML-Daten im für die Archivierung wichtigen Format PDF-A ausgeben zu können.

TextGridRep

Eine der wichtigsten Aufgaben von TextGrid ist die nachhaltige Verfügbarkeit der Forschungsdaten im TextGridRep. Neben der Verwendung von offenen Standards und etablierten Formaten wird dieses Ziel durch die bereits oben erwähnte Einbettung des WissGrid Service-Frameworks zur Langzeitarchivierung von Forschungsdaten unterstützt. Daneben ermöglicht die modulare Architektur der TextGrid-Infrastruktur eine Implementierung alternativer Lösungen für den nachhaltigen und zukunftssicheren Zugang zu den Ressourcen. Das Thema Interoperabilität wird mit hoher Priorität verfolgt, damit das TextGridRep mit anderen Repositorien vernetzt werden kann – als Teil eines Netzwerks oder digitalen Ökosystems (geistes- und kultur)wissenschaftlicher Repositorien in Deutschland und Europa. Weiterhin ist geplant, die Rechteverwaltung um eine Komponente zu erweitern, die eine Lizenz-basierte Autorisierung ermöglicht. Hierdurch wird sichergestellt, dass auch solche veröffentlichten Ressourcen genutzt werden können, die nicht einer Open-Access-Lizenz unterliegen.

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8. Zeitplan

Die Version 1.0 und ihre Weiterentwicklung folgen einem definierten Zeitplan, der sich wie folgt darstellt.

15. Februar 2011 Feature Freeze: Beginn der offenen Testphase unter Einbeziehung der Nutzercommunity
1. Juni 2011 TextGrid Version 1.0
12.-13. Juli 2011 TextGrid-Tage 2011 mit Festvorträgen, Schulungen und Workshops
Herbst 2011 Überführung von TextGrid in eine nachhaltige Rechtsform
Januar 2012 Integration des WissGrid Service-Frameworks zur Langzeit­archivierung von Forschungsdaten (s.o.)
Frühjahr 2012 TextGrid Version 2.0
Mai 2012 Projektende von TextGrid: communitybasierte Fortführung in nachhaltiger Rechtsform

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Über unsere Website: www.textgrid.de

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